6. Kapitel: DAS PERSÖNLICHE GERICHT


Es ist eine wichtige Frage, ob die guten und schlechten Taten eines Menschen Konsequenzen haben im Hinblick auf ein jenseitiges Leben.

Wer ein schlechtes Leben führt, wird wohl wünschen, dass es ein Gericht, einen Himmel und eine Hölle nicht gibt. Tatsächlich aber erwartet das Gericht nicht nur diejenigen, die daran glauben, sondern auch die anderen. Kein Weg führt daran vorbei. „Alle müssen wir erscheinen vor dem Richterstuhl Christi, damit ein jeder das erhalte, wofür er in seinem Leib tätig war, sei es Gutes, sei es Böses.” (2 Kor 5,10)

Für solche, die in Sünden leben, soll die ernste Wahrheit vom Gericht durchaus ein Grund zur Sorge sein und eine dringende Mahnung zur Umkehr.

Nach der Lehre der Kirche findet das persönliche Gericht unmittelbar nach dem Tod statt und entscheidet sofort und endgültig über das ewige Schicksal jedes Menschen [vgl. KKK 1021]. Entweder tritt dann die Seele unmittelbar in die himmlische Seligkeit ein, oder sie geht durch eine Läuterung, oder sie wird auf ewig verdammt.

Es besteht aber ein großer Unterschied zwischen weltlichen Richtern und dem göttlichen Gericht. Weltliche Richter richten nämlich nur über offenbare Vergehen, und wo kein Kläger, da kein Richter. Auch sonst ist ihr Urteil leicht mit allerlei Mängeln behaftet. Der göttliche Richter aber richtet gerecht. Er wird alles Gute belohnen und alles Böse bestrafen. Dabei kann er sich nicht irren, und nichts kann man vor ihm verbergen. „Er wird auch das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und offenbar machen die Regungen der Herzen, und dann wird Anerkennung werden einem jeden von Gott.” (1 Kor 4,5)

Jedes noch so kleine und verborgene gute Werk wird der „Vater, der im Verborgenen sieht” (Mt 6,4) vergelten. Selbst wer um Christi willen auch nur einen Becher Wasser gibt, „wird um seinen Lohn nicht kommen” (Mk 9,41). Doch ebenso wird auch das Böse bestraft werden, denn Jesus hat gesagt: „Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, haben sie Rechenschaft zu geben am Tag des Gerichtes.” (Mt 12,36)

 

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