11. Kapitel: DER HIMMEL
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Glückseligkeit ist das, wonach alle Wesen streben. Sie besteht in der Erfüllung und Verwirklichung der jedem Wesen eigenen Vollkommenheit. Für Tiere und Pflanzen genügt zur ‚Glückseligkeit’ die Befriedigung ihrer natürlichen Bedürfnisse. Weil der Mensch aber nach dem Bild Gottes erschaffen ist, überragt er die sichtbare Schöpfung. Allein die Befriedigung seiner natürlichen Bedürfnisse wäre für ihn noch keine Glückseligkeit, denn „nicht vom Brot allein lebt der Mensch” (Mt 4,4). Er hat ja eine geistige Seele. Sein Verstand ‚dürstet’ nach Wahrheit und sein Wille sucht das Gute. Aber alle Wahrheiten und alle Güter der Welt würden nicht genügen, um diesen ‚Durst’ der Seele zu stillen. Die vernünftige Natur des Menschen weist über sich selbst hinaus auf den hin, der die Wahrheit und das höchste Gut selber ist. Die Glückseligkeit des Menschen muss also eine übernatürliche sein, denn nur in Gott allein kann er Erfüllung finden. Der christliche Glaube lehrt, dass Gott den Menschen erschaffen hat, um ihn teilhaben zu lassen an seiner eigenen Glückseligkeit. Zu dieser Erkenntnis kam nach langem Suchen der hl. Augustinus: „Gott, Du hast uns erschaffen für Dich, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in Dir.” (Confessiones I,1) Zur ewigen Glückseligkeit gelangen alle, die im Stand der heiligmachenden Gnade sterben. Die heiligmachende Gnade ist das übernatürliche Leben der Seele. Sie wird im Sakrament der Taufe geschenkt, und sie muss mit Sorgfalt bewahrt werden wie ein „Schatz in irdenen Gefäßen” (2 Kor 4,7). Man kann sie nämlich durch eine schwere Sünde verlieren. Durch die heiligmachende Gnade sind wir Kinder Gottes. „Sind wir aber Kinder, dann auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi.” (Röm 8,17) Wer den Himmel gefunden hat, hat alles gefunden. Wer ihn aber verliert, verliert alles. „Der Himmel ist das letzte Ziel und die Erfüllung der tiefsten Sehnsüchte des Menschen, der Zustand höchsten, endgültigen Glücks.” (KKK 1024) Die himmlische Glückseligkeit übersteigt jedes Vorstellungsvermögen. Paulus spricht von dem, „was kein Auge sah, was kein Ohr vernahm und was in keines Menschen Herz drang, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben” (1 Kor 2,9). Alle irdische Schönheit und alles Erdenglück zusammen genommen sind nicht mehr als ein Schatten jenes Glücks. Aus dem Glauben wird dann ein Schauen, aus dem Hoffen sicherer Besitz. Die Liebe aber ist das Größte. Sie allein hört niemals auf [vgl. 1 Kor 13,12 f.]. Seien wir mit Paulus überzeugt, „dass die Leiden dieser Zeit nicht zu vergleichen sind mit der Herrlichkeit, die sich offenbaren soll an uns” (Röm 8,18)! |
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