13. Kapitel: DIE AUFERSTEHUNG |
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Den Glauben an die ‚Auferstehung des Fleisches’ bekennen wir ausdrücklich im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Darunter versteht man die Wiedererweckung der Leiber am Jüngsten Tag. Es lebt also nicht nur nach dem Tod die unsterbliche Seele des Menschen weiter, sondern am Ende der Welt werden auch die Körper der Menschen wieder lebendig und Leib und Seele auf ewig vereint werden [vgl. KKK 990]. Zur Zeit Jesu hat die Partei der Sadduzäer die Auferstehung geleugnet. In der Antwort auf ihre Fangfrage weist Jesus auf zwei Dinge hin: „Seid ihr nicht deshalb im Irrtum, weil ihr weder die Schriften kennt noch die Kraft Gottes?” (Mk 12,24) Es ist also wichtig, diese beiden gut zu kennen: die Heilige Schrift und die Kraft Gottes. Zwar hat Gott die Auferstehung im Alten Bund nur Schritt für Schritt geoffenbart [vgl. KKK 992], doch im Neuen Bund erscheint sie in voller Klarheit: „Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und es werden hervorgehen, die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichtes.” (Joh 5,28 f.) In der ‚eucharistischen Rede’ Jesu bei Kapharnaum ist die Auferstehung von zentraler Bedeutung: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.” (Joh 6,54) Die ‚Kraft Gottes’ offenbart Jesus vor allem in seinen Wundern, insbesondere durch die Auferweckung von drei Toten [vgl. Mk 5 / Lk 7 und Joh 11]. Vor der Auferweckung des Lazarus sagt Jesus von sich selbst: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit.” (Joh 11,25 f.) Den größten Erweis der ‚Kraft Gottes’ gibt Jesus in seiner eigenen Auferstehung: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten ... Er aber redete vom Tempel seines Leibes.” (Joh 2,19 - 21) Die Apostel verstanden sich selbst als ‚Zeugen der Auferstehung’ [vgl. Apg 1,21]. Und Paulus schreibt: „Wohnt aber der Geist dessen in euch, der Jesus von den Toten erweckte, so wird er, der Christus Jesus von den Toten erweckte, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen in euch wohnenden Geist.” (Röm 8,11) Angemessenheitsgründe Ohne Zweifel ist die Auferstehung des Fleisches eine Herausforderung für den menschlichen Verstand. Man kann aber durchaus gute Gründe für die Angemessenheit der fleischlichen Auferstehung finden. Der Mensch ist nämlich eine Einheit aus Leib und Seele. Weil also nicht nur die Seele sündigt oder Gutes tut, sondern der Mensch in seiner leib-seelischen Ganzheit, scheint es angemessen, dass auch der Leib Anteil hat am Lohn im Himmel oder an der Strafe in der Hölle. Paulus sagt ja, dass wir alle erscheinen müssen vor dem Richterstuhl Christi, „damit ein jeder das erhalte, wofür er in seinem Leib tätig war, sei es Gutes, sei es Böses” (2 Kor 5,10). Ein zweiter Grund betrifft das Erlösungswerk. Von der Sünde hat Gott uns durch das Opfer Christi am Kreuz schon in diesem Leben befreit, doch die Folgen der Sünde, wozu der Tod gehört, dauern einstweilen fort. Wenn nun der Leib ewig tot bliebe, wäre die Sünde nicht ganz überwunden. Damit aber der Sieg Jesu vollkommen sei, soll nach Gottes Willen der Leib auferstehen, denn „wenn dieses Verwesliche Unverweslichkeit angezogen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit angezogen hat, dann wird zutreffen das Wort, das geschrieben steht: ‚Verschlungen ist der Tod im Sieg! Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?” (1 Kor 15,54 f.) Schließlich hat die Seele des Menschen eine natürliche Hinordnung auf den Leib, denn sie wurde ja als Seele für einen Leib erschaffen. Deshalb ist der Zustand der Trennung für sie gewissermaßen unnatürlich. So schreibt der Katechismus des Konzils von Trient: „Denn wie ein jeder Teil, vom Ganzen losgetrennt, unvollkommen ist: so auch die Seele, wenn sie mit dem Leib nicht vereinigt ist. Daraus folgt, dass, soll ihr zur höchsten Glückseligkeit nichts fehlen, die Auferstehung der Leiber notwendig ist.” (Cat. Rom. I,12,5) Beschaffenheit des Auferstehungsleibes Auch über die Beschaffenheit der Leiber nach der Auferstehung gibt die Hl. Schrift Auskunft. Der hl. Apostel Paulus schreibt, Jesus Christus werde „unseren armseligen Leib umgestalten, dass er teilhabe an der Gestalt seines verherrlichten Leibes” (Phil 3,21). Es wird also unser Leib dem verklärten Leib Jesu nach der Auferstehung ähnlich sein, dessen wirkliche Leiblichkeit die Schrift ausdrücklich bezeugt [vgl. Lk 24,36 - 43]. Nach der Lehre der Kirche wird der Auferstehungsleib genau derselbe sein, mit dem wir hier auf Erden gelebt haben, ebenso wie auch die Wundmale Jesu bezeugen, dass sein Auferstehungsleib derselbe war, mit dem er am Kreuz für uns gelitten hat. In diesem Sinn sagt Paulus: „Dieses Verwesliche muss anziehen Unverweslichkeit, und dieses Sterbliche muss anziehen Unsterblichkeit.” (1 Kor 15,53) Wenn es auch derselbe Leib sein wird, so wird er doch andere Eigenschaften haben: „Gesät wird in Verweslichkeit, auferweckt in Unverweslichkeit. Gesät wird in Unansehnlichkeit, auferweckt in Herrlichkeit. Gesät wird in Schwachheit, auferweckt in Kraft. Gesät wird ein sinnenhafter Leib, auferweckt ein geistiger Leib.” (1 Kor 15,43 f.) Nach dem hl. Augustinus [✝ 430] werden die Leiber nach der Auferstehung vollkommen und schön und ohne den geringsten Fehler sein [vgl. De civ. Dei 22,19]. Der hl. Johannes Chrysostomos [✝ 407] sagt in seiner ersten Homilie über den II. Korinther-Brief: „Wenn du das erloschene Auge siehst und den entstellten Mund und den regungslosen Leib, so denke nicht bei dir selbst: Jetzt redet nimmer dieser Mund, nimmer schauen diese Augen, nimmer wandeln diese Füße; alles verfällt rasch der Auflösung. Sage lieber: Dieser Mund wird besser reden, diese Augen Größeres schauen, diese Füße über Wolken schreiten, der verwesliche Leib wird mit Unsterblichkeit sich umkleiden, und herrlicher bekomme ich den Sohn wieder. Und wenn das, was das Auge schaut, dich zur Trauer stimmt, so sprich zu dir selbst: Ein Gewand ist es, das er abgelegt hat, um es kostbarer zurückzuerhalten; ein Haus ist es, das abgebrochen wurde, um glänzender wieder zu erstehen.“ |
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