4. Kapitel: EINE GUTE STERBESTUNDE
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Was muss man tun, um gut zu sterben? Die Antwort ist nicht schwierig: Um gut zu sterben, muss man gut leben. Wer mit Gott verbunden lebt, braucht den Tod nicht sonderlich zu fürchten. Viele Weltmenschen wünschen sich den Tod vor allem kurz und schmerzlos. Dabei denken sie hauptsächlich an die äußeren Umstände des Sterbens, vergessen aber nur zu gern die inneren Umstände, die doch viel wichtiger sind. Als Christen bitten wir mit den Worten der Allerheiligenlitanei: „Vor einem plötzlichen und unvorhergesehenen Tode bewahre uns, o Herr!” Hinter dieser Bitte steht eine wichtige Wahrheit: Nur solange wir leben, haben wir Zeit, Gutes zu tun. Nach dem Tod aber können weder Verdienste gesammelt noch kann geordnet noch bereut werden. Vielmehr ist es, wie das Sprichwort sagt: „Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen.” (Pred 11,3) Deshalb können die letzten Minuten im Leben eines Menschen außerordentlich wichtig sein. Durch eine aufrichtige Reue kann man, so lange man lebt, noch manches in Ordnung bringen. Denken wir nur an den Räuber am Kreuz, der zu Jesus seine Zuflucht nahm und dessen Vertrauen belohnt wurde mit den Worten: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein!” (Lk 23,43) Es ist eine große Gnade, den Schritt hinüber in die andere Welt möglichst bewusst und gut vorbereitet tun zu können und mit einem letzten Akt der Liebe und Reue vor den göttlichen Richterstuhl zu treten. Weil aber der Zeitpunkt des Todes ungewiss ist, mahnt die Heilige Schrift zu steter Wachsamkeit: „Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass jener Tag euch wie ein Dieb überfallen könnte.” (1 Thess 5,4) Vielmehr: „Eure Lenden sollen umgürtet sein, und eure Lampen sollen brennen. Ihr sollt sein wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er von der Hochzeit heimkehrt, damit sie ihm, wenn er kommt und anklopft, sogleich öffnen. Selig jene Knechte, die der Herr bei seinem Kommen wachend antrifft.“ (Lk 12,35 - 37) Es ist gut, die Stunde des Todes mit all ihren Umständen vertrauensvoll in Gottes Hand zu legen. Wir wollen leben in seiner Gnade und bereit sein für den Tag, an dem er uns ruft. Ein sehr schönes Gebet um eine gute Sterbestunde ist das ‚Gegrüßet seist du, Maria’. Darin rufen wir den Beistand und die Fürsprache der Muttergottes an für die beiden wichtigsten Momente unseres Lebens: das „Jetzt” und die „Stunde unseres Todes”. Was geschieht im Tod? Im Tod trennt sich die Seele vom Leib. Beide gehen dann eigene Wege, bis sie nach katholischem Glauben wieder vereint werden bei der Auferstehung des Fleisches am Jüngsten Tag. Es ist guter christlicher Brauch, den Leib eines Verstorbenen sehr ehrfürchtig zu behandeln und ihn auf einem Friedhof wie ein Samenkorn mit dem Segen der Kirche in geweihter Erde zu bestatten. Die Kirche empfiehlt nachdrücklich, an der Erdbestattung festzuhalten. Eine Feuerbestattung wäre dann ausdrücklich verboten, wenn sie aus Gründen gewählt wird, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen [CIC can 1176 §3 / 1184]. Bitterkeit und Trost Zwar behält das Sterben auch für den Christen eine natürliche Bitterkeit. Die Natur mag sich sträuben und der Abschied Schmerz bereiten. Bei all dem aber überwiegt doch frohe Hoffnung, denn „der Christ, der sein Sterben mit dem Sterben Jesu vereint, versteht den Tod als Kommen zu Jesus und als Eintritt in das ewige Leben” (KKK 1020). So heißt es in der Präfation der Totenmessen: „Bedrückt uns auch das Los des sicheren Todes, so tröstet uns doch die Verheißung der künftigen Unsterblichkeit. Denn Deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Und wenn die Herberge dieser irdischen Pilgerschaft zerfällt, wird ihnen im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.” Jesus hat ja selbst gesagt: „Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und bin ich hingegangen und habe ich eine Stätte bereitet für euch, dann komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seid.” (Joh 14,2 f.) Ganz erfüllt von christlicher Hoffnung und von der Erwartung eines kommenden Frühlings sind die Sterbegebete der Kirche, mit denen sie das Hinscheiden ihrer Gläubigen begleitet: „Fahre hin, christliche Seele, aus dieser Welt, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, der dich geschaffen hat, im Namen Jesu Christi, des Sohnes, der für dich gelitten hat, im Namen des Heiligen Geistes, der über dich ausgegossen worden ist ... Heute noch sei dir im Frieden eine Stätte bereitet!“
Wie schön ist es, wenn ein Mensch mit Paulus sagen kann: „Für mich
ist das Leben Christus und das Sterben Gewinn.” (Phil 1,21) |
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