16. Kapitel: SAKRAMENTENEMPFANG IM ALTER
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Ältere Menschen sollten, vor allem wenn sie immer treu als Katholiken gelebt haben, gerade in der letzten Phase ihres Lebens auch im Empfang der Sakramente zu einer gewissen Reife kommen. Solange die körperlichen Kräfte es erlauben, wird es ein selbstverständliches Bedürfnis sein, möglichst oft - und wenn es sein kann sogar täglich - zur heiligen Messe zu gehen. Eine im Fernsehen übertragene heilige Messe kann wohl für solche, denen der Kirchgang aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist und die deshalb von der Sonntagspflicht entschuldigt sind, hilfreich sein, um sich geistig mit dem Priester am Altar zu vereinen. Man darf aber nicht meinen, eine solche Messe anzuschauen sei ein Ersatz für die wirkliche Teilnahme am heiligen Messopfer. Es wäre nicht recht, sich aus Bequemlichkeit mit einer ‚Fernsehmesse’ zu begnügen, wenn man selbst am Sonntag noch zur Kirche gehen könnte [vgl. Sacr caritatis 57]. Auch werden heute vielerorts Bußandachten mit Generalabsolution angeboten. Das ist zwar ein bequemer, aber ganz falscher Weg. Eine Lossprechung über solche, die nicht beichten wollen, ist von vornherein ungültig, denn eine gültige Generalabsolution setzt immer den Willen voraus, das persönliche Bekenntnis schwerer Sünden baldmöglichst nachzuholen [vgl. CIC can 962 §1]. Nicht selten haben heute Katholiken seit vielen Jahren nicht mehr gebeichtet, wobei sie doch im Inneren spüren müssen, dass die persönliche Begegnung mit Jesus im Bußsakrament durch eine billige Massenabfertigung keineswegs ersetzt werden kann. Weil der Schaden, der durch den Verlust der hl. Beichte in vielen Seelen entstanden ist, unermesslich groß ist, hat Papst Johannes Paul II. im April 2002 in seinem Motuproprio ‚Misericordia Dei’ die geltenden kirchlichen Normen zu dieser Frage eindringlich ins Gedächtnis gerufen. Solange wir gesund und bei klarem Verstand sind, wollen wir darum beten, dass unsere Liebe zum Herrn und die Sehnsucht nach dem Empfang der Sakramente im Alter nicht nachlässt, sondern wächst. Der Gedanke an das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben [vgl. 1 Kor 2,9], möge uns vor jeder geistlichen Stumpfheit und Gleichgültigkeit bewahren. Es ist Gnade, bis zur letzten Stunde in der Liebe Gottes und aus der Kraft der Sakramente zu leben! Vorbereitung auf die heilige Beichte Manche ältere Menschen haben besondere Schwierigkeiten mit der Beichte, weil sie meinen, keine Gelegenheit mehr zum Sündigen zu haben, und deshalb nicht recht wissen, was sie beichten sollen. Aber ist es wirklich wahr, dass man im Alter nicht mehr sündigen kann? Sicherlich sind die Herausforderungen im Alter andere als in der Jugend. Aber sündigen kann man nicht nur im Tun, sondern auch mit Blicken, Worten oder in Gedanken. Die Erfahrung zeigt, dass gewisse Versuchungen sogar bis ins hohe Alter sehr hartnäckig sein können. Wenn wir auch älter werden, so ist doch etwas in uns, was stets jung bleibt, und „mag auch unser äußerer Mensch aufgerieben werden, so wird doch der innere von Tag zu Tag neu” (2 Kor 4,16). Diese innere Kraft, die antreibt zu einem christlichen Leben und zum heilbringenden Empfang der Sakramente, ist die Liebe zu Gott. Ihn sollen wir lieben aus unserem ganzen Herzen, aus unserer ganzen Seele, aus unserem ganzen Denken und aus unserer ganzen Kraft [vgl. Mk 12,30]. Die Liebe aber macht nicht blind, sondern sensibel. Sie gibt ein helles, waches Auge. Wer immer nur im Halbdunkeln putzt, wird bald meinen, es sei alles in bester Ordnung, nur weil er den Schmutz nicht sieht. Er würde ihn aber sehen, wenn er helles Licht entzünden und auch in die Ecken schauen würde. So ähnlich geht es mit mancher Seele, die nur deshalb keine Flecken sieht, weil sie weder genug Licht hat noch sich bemüht, auch in die ‚Ecken’ zu schauen. Eine gute Vorbereitung auf die hl. Beichte ist unerlässlich, denn je besser man disponiert ist, desto gnadenreicher wirkt das Sakrament. Dazu gehört, dass man sich auch wirklich die zur Vorbereitung notwendige Zeit nimmt und die Umstände so wählt, dass man möglichst nicht gestört wird. Man bete zum Heiligen Geist um eine gute und heilsame Selbsterkenntnis. Dann lese man aufmerksam einen guten Beichtspiegel [siehe nächstes Kapitel und den Hinweis am Ende] und prüfe im Licht Gottes sein gegenwärtiges und vergangenes Leben. Wer selbst nicht mehr lesen kann, mag vielleicht einen lieben Menschen bitten, ihm den Beichtspiegel langsam und deutlich vorzulesen? Es kann sehr hilfreich sein, bei der Gewissenserforschung einen Zettel zu verwenden und Stichpunkte zu notieren. Schließlich erwecke man eine lebendige Reue und den Wunsch, von der Gnade Gottes ganz verwandelt zu werden.
Der Schritt zur hl. Beichte wird dann nicht mehr schwierig sein. Sie ist
ein wahres Bedürfnis und eine große Wohltat für die Seele! |
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